Was du beim biken in Österreich beachten musst

Gravelbike oder Mountainbike, sobald wir die asphaltierte Strasse verlassen gilt es ein paar Regeln zu beachten.

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David Robinson Chiara Terraneo Danil Usmanov Max Riese

Es hilft doch nichts: Wir mögen keine Regeln die uns einschränken und wir radeln wegen dem Gefühl der Freiheit die es uns gibt. Aber auch wenn es uns nicht schmeckt, müssen wir akzeptieren dass wir die Natur nicht allein für uns haben. Dabei reden wir nicht nur von Wanderern und anderen Menschen, sondern auch von Tieren und Pflanzen.Schliesslich wollen wir zum einen verhindern dass mehr Trails und Wege für uns geschlossen werden, zum anderen müssen auch wir darauf acht geben die Natur in der wir uns so gern bewegen erhalten bleibt.
Na ja und ein paar generelle Knigge regeln für das radeln sind natürlich auch dabei. Weniger Konflikte auf euren Fahrten bedeuten weniger stress. Und seien wir ehrlich: Wir machen dass doch um spass zu haben und abzuschalten, nicht um uns zu ärgern und Stress aufzubauen.

So sieht wohl der Traumtrail einen jeden bikers in Österreich aus! Photo David Robinson

Regeln für das Fahren im Wald und abseits der Strassen

Verboten ist verboten

Ja klar, wo kein Kläger da kein Richter. Einsam im Wald kann man so ein Verbotschild schon mal “übersehen”. Aber soweit möglich plant eure Routen einfach anders und bleibt auf den markierten und freigegebenen Routen. Wir wissen ja nicht warum das Verbot dort existiert. Der Privatgrundbesitzer, welcher einfach aus Prinzip das Radfahren verbietet, wird nur in wenigen fällen wirklich der Fall sein. Oft geht es um Wildruhezonen, gefährliche Abschnitte in denen Bäume fallen können, gearbeitet wird, oder andere Dinge. Tiere werden ausserdem aufgescheucht und beunruhigt. Darüber hinaus kann das Fahren auf gesperrten Wegen unangenehme Folgen wie z.B. die wohl für Österreich einzigartige “Besitzstörungsklage” nach sich ziehen und teuer werden.
Zu guter Letzt bleibt zu sagen, dass auch wenn ihr einen Track von einer Seite wie unserer benutzt, wir bzw. auch andere Anbieter keine Garantie auf die Richtigkeit geben können! Unser Wegenetz ist im ständigen Wandel und das ist auch gut so! Passt also bitte auf, und passt eure Strecke gegebenenfalls an, wenn eine strecke seit neuestem gesperrt, bzw. nicht mehr befahrbar ist.

Mit etwas Recherche findet man wahre Juwelen für Radfahrer in Österreich. Auch ohne Verbotsschild. Photo: Chiara Terraneo

Ruhezeiten respektieren

Auch die Natur braucht Ruhe. Vielleicht habt ihr schon einmal beobachtet, dass ihr speziell zum Sonnen Auf- und Untergang besonders viel Wild nahe der Wälder sehen könnt. Und ja auch die Tiere ruhen nachts. Daher solltet ihr es vermeiden durch Wälder und abgelegene Naturreservate und Nationalparks Nachts oder auch sehr früh bzw. sehr spät zu fahren. In Österreich werden Offiziell folgende Zeiten für das fahren vorgegeben:

  • März bzw. Oktober von 09:00 bis 17:00 Uhr
  • April bzw. September von 08:00 bis 18:00 Uhr
  • Mai bis August von 07:00 bis 19:00 Uhr

Sonnenauf- und Untergang, sowie Nacht sind Ruhezeiten für Wild und Natur. Photo: David Robinson

In der Natur sind wir Gäste

Wenn jemand euer Wohnzimmer betritt, dann setzt ihr auch voraus dass er bzw. sie sich nicht wie die Sprichwörtliche “Axt im Walde” benimmt, oder? Das selbe muss für uns auch gelten. Laute Musik oder Geräusche (Schreien, etc.) solltet ihr vermeiden. (Das gilt auch für blockierende Bremsen.) Wir verletzen auch keine Pflanzen oder Tiere. Generell: So wie ihr selber gerne behandelt werden würdet, so behandelt ihr auch die Natur durch die ihr radelt.

In der Natur sind wir gast und als Radfahrer müssen wir Rücksicht nehmen! Photo: Max Riese

Leave no trace

Wir hinterlassen die Natur exakt so wie wir sie vorgefunden haben. Die einzige Ausnahme ist wenn ihr sie besser hinterlassen wollt. Nehmt lieber Müll mit den ihr findet, aber auf gar keinen Fall hinterlassen wir welchen! Wir hinterlassen auch keine Spuren durch blockierende Reifen etc. Denn anders als im Bikepark räumt keiner in der Natur auf und kümmert sich um den Erhalt der Wege.
Ein schwieriges aber unumgängliches Thema sind menschliche Fäkalien. Wenn möglich solltet ihr natürlich gar nicht in der Natur “euer Geschäft” verrichten. Auch wenn Tiere das tun, menschliche Fäkalien sind sehr problematisch da sie deutlich mehr Keime und Seuchenpotential aufweisen. Ihr müsst daher im Notfall euren Unrat in einem kleinen Loch eingraben um sicherzustellen dass dieser schnellstmöglich abgebaut werden kann. Taschentücher, Feuchttücher etc. dürfen auf keinen Fall in der Natur bleiben. Es dauert sehr lang bis diese abgebaut werden und manche sind generell nicht sonderlich gut für die Natur aufgrund ihrer Zusammensetzung.

Leave no trace! Besser ihr hinterlasst die Natur besser als ihr sie aufgefunden habt. Photo: Max Riese

Der Wanderer hat Vorrang

Klingt komisch aber dieses System hat grossen Erfolg in umliegenden Ländern wie Italien oder Teilen der Schweiz! Anstatt ungebremst am Wanderer bzw. der Wanderin vorbei zu fliegen, bremst ab und lasst viel Platz, bzw. wartet bei Engstellen einfach auf der Seite bis der bzw. die WanderInnen vorbei sind. Zum einen wird selbst der bzw. die grantigste ZeitgenossInn euch ein lächeln schenken und das Potential für einen Konflikt ist 99% der Fälle erstickt. Ausserdem könnt ihr euch so mal kurz die schöne natur etwas genauer ansehen. 😜 Auch wenn dies kein Gebot oder in sonst einer Form in Österreich gelebt wird, finden wir dies als guten Kompromiss um unsere Akzeptanz zu erhöhen!

Im Bikepark werden die trails aktiv gewartet und man hat freie Fahrt. In der Natur gilt mehr Vorsicht und Rücksicht. Photo: David Robinson

Wildcampen in Österreich

Hier wird es etwas kompliziert. Im Wald gibt es eine einheitliche Regelung: Das campen ist verboten. Das heisst allerdings nicht, dass ihr nicht generell draussen schlafen dürft. Ob und wo ihr das dürft ist allerdings in jedem Bundesland anders und ihr solltet euch vorher hier erkundigen. Meistens wird das klassische “Zelten” nicht erlaubt sein. Oft ist die Ausnahme das Biwakieren im Notfall. Also zum Beispiel bei einbrechender Dunkelheit oder bei Unwetter. Wenn ihr euer Zelt in aller ruhe aufstellt wird das nicht darunter Fallen. Wenn das campen in irgendeiner Form erlaubt ist, solltet ihr allerdings trotzdem einiges beachten. Und das gilt nicht nur für Österreich.

In der Realität ist wildcampen deutlich weniger romantisch als auf instagram. Photo: Danil Usmanov

Minimaler Fussabdruck.

Keine Pflanzen oder andere Lebewesen sollten durch das drauf steigen, liegen, etc. zerdrücken, keinen Boden umschichten etc. zu Schaden kommen.

Feuer ist Tabu.

Ihr solltet es einfach vermeiden ausser es ist ein Platz mit ausgewiesener Feuerstelle. Der Stress für Tiere ist einfach zu hoch. Und ja, es braucht einiges an Erfahrung um einzuschätzen wie und wo ein Feuer sicher ist. Wir wollen ja keinen Brand auslösen.

Wir verhalten uns ruhig und unauffällig.

Zurück zum Thema in der Natur sind wir Gast: Wir verhalten uns so unauffällig wie möglich. Denn wie schon vorher gesagt, werden Tiere ansonsten von uns aufgescheucht und beunruhigt. Ein netter nebeneffekt ist natürlich auch, dass wir an unserem Rastplatz keine unangenehmen Gäste bekommen, die uns vescheuchen wollen.

Wir hinterlassen unseren Schlafplatz genau so wie wir ihn vorgefunden haben.

Dass wir keinen Müll liegen lassen (darunter zählen auch Bananenschalen und andere Abfälle die nicht in die Landschaft gehören.) ist selbstverständlich. Darüber hinaus solltet ihr darauf acht geben, dass ihr den Platz selber so zurücklast, als wärt ihr nie da gewesen sein. Ihr habt ein paar steine verrückt um einen wall oder ähnliches zu errichten? Gras oder Pflanzen platt gedrückt? Das ist schlecht. Ihr solltet euren Schlafplatz also schon entsprechend auswählen!

Wir bleiben nur zum schlafen.

Probleme werden in der Regel immer auftreten wenn ihr länger verweilt. Wenn ihr das wollt, ist das OK, aber dann solltet ihr euch einen offiziellen Campingplatz suchen bei dem auch die Infrastruktur existiert die mit einer längeren Verweilzeit benötigt wird. Sobald es spät wird und ihr nicht mehr weiter könnt/wollt sucht euch einen Platz der geeignet ist. So früh wie möglich verlasst ihr diesen ohne spuren zu hinterlassen.

Instagram vs. reality

Zu guter letzt möchte doch gesagt werden, dass diese tollen Bilder die ihr auf Social Media seht, bei denen Leute mit überragendem Bergpanorama zum Sonnenaufgang in ihrem Zelt aufwachen einfach nicht reell sind. In 99% der Fälle wird die Erfahrung des Wildcampens deutlich anders und vielleicht sogar ernüchternd für euch sein. Um günstig und sehr flexibel zu Reisen ist Wildcampen ein gutes Werkzeug, speziell für Ultradistanz Fahrer. Es ist allerdings nichts schlecht daran sich ein Hotel zu nehmen. Nichtmal der härteste Ultra Athlet oder Abenteurer legt sich zum Spass raus in den strömenden Regen. Und euer persönliches Abenteuer wird nicht an dem Instagram material dass ihr gesammelt habt gewertet. Das macht ihr nur für euch selbst. 😉

Ein paar simple Regeln vor eurer nächsten bikepacking tour in Österreich. Photo: Chiara Terraneo

TL;DR

Ganz grundsätzlich gelten für das fahren in Österreich ein paar Regeln. Diese sind:

  1. Wir fahren nur auf Strecken auf denen das befahren mit dem Rad nicht verboten ist.
  2. Wir respektieren die Ruhezeiten für Natur und Tiere von Sonnen Unter- bis Sonnenaufgang.
  3. Wir verhalten uns in der Natur unauffällig und versuchen sie so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.
  4. Der Wanderer hat Vorrang
  5. In der Natur schlafen ist nicht immer verboten, aber ihr müsst euch hier sehr genau informieren!

Mountainbiken ist stark am wachsen. Mehr und mehr trails werden dafür geöffnet. Photo: David Robinson

Wir hoffen dieser kleine Guide hilft euch und das wir damit auch eine gewisse “Knigge” aufbauen können die unsere Situation auf lange Sicht verbessert und die uns Radfahrern mehr Wege und Trails eröffnet, sowie vielleicht, in ganz ferner Zukunft dazu beiträgt, dass generell eine lockerere Regelung für das Radfahren in Österreich möglich wird. Ihr braucht Hilfe beim Routenplanen? Dann hier entlang zum guide für das planen von Routen mit komoot.

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